Stara Ćuprija in Konjic: Warum der Erbauer der Steinbrücke erst 1976 feststand

Die Steinbrücke von Konjic — auf Bosnisch Stara Ćuprija, wörtlich „Die alte Brücke" — gilt als eines der bedeutendsten Beispiele osmanischer Brückenbaukunst auf dem Balkan. Sie überspannt seit 1682 die Neretva im historischen Stadtzentrum von Konjic, etwa eine Autostunde südlich von Sarajevo. Trotz ihrer prominenten Stellung blieb die Frage, wer sie erbaute, fast drei Jahrhunderte lang umstritten. Erst 1976 klärte der bosnische Historiker Alija Bejtić die Zuschreibung endgültig — auf Grundlage eines Sultansfirmans von 1775.
Dieser Artikel rekonstruiert die Dokumentenkette. Die hier zitierten Quellen liegen in osmanischen Archiven in Istanbul, Sarajevo und Mostar vor. Sie wurden zwischen 1935 und 1979 nach und nach gesichert und von verschiedenen Forschern veröffentlicht. Nahezu jede bisherige Darstellung der Brücke in westlichen Reiseführern enthält mindestens eine falsche Detailangabe. Was folgt, ist der aktuelle Forschungsstand.
Die Legende, die nicht sterben wollte
Die erste schriftliche Spekulation über den Erbauer stammt aus dem Jahr 1790. Der Dubrovniker Chronist Giacomo Luccari behauptete, ein serbischer König namens Hvalimir habe die Brücke im 11. Jahrhundert errichtet. Für diese Behauptung nannte Luccari keine Quelle. Spätere Autoren übernahmen die Zuschreibung kritiklos.
Der britische Archäologe Arthur Evans beschrieb die Brücke 1875 während der Herzegowinischen Erhebung als „eine lange, schöne Steinbrücke, die schönste von allen bisher gesehenen" und folgte Luccaris Hvalimir-These. Vjekoslav Klaić wiederholte sie 1878. Der österreichische Journalist Heinrich Renner argumentierte 1896, Ahmed-paša Sokolović habe die Brücke 1715 erbaut. R. Michel übernahm diese Version 1912.
Alle diese Zuschreibungen sind falsch. Einen osmanischen Würdenträger namens Ahmed-paša Sokolović gab es nicht — die Sokolović-Familie stellte zwei Großwesire, aber keinen mit diesem Namen. Das Datum 1715 lässt sich in keiner Quelle verifizieren. Die mittelalterlichen slawischen Könige errichteten keine Spitzbogenbrücken osmanischer Bauart, da es solche in Europa vor dem 14. Jahrhundert nicht gab.
Der erste Durchbruch kam in den 1920er Jahren, als der Chronist Mehmedi Enver Kadić die Inschrift am zentralen Pfeiler der Brücke las und notierte.
Was die Inschrift sagt
An der Mittelöffnung der Brücke befindet sich eine Steintafel mit einer osmanisch-türkischen Inschrift: Sene 1093. Das Jahr 1093 des islamischen Kalenders entspricht 1682 n. Chr.
Kadić verzeichnete den Text in seiner Hronika, einer handschriftlichen Chronik aus dem Jahr 1926, die heute in der Gazi-Husrev-beg-Bibliothek in Sarajevo aufbewahrt wird. Alija Nametak überprüfte die Inschrift 1939 persönlich und bestätigte sie. Kasim Gujić tat dasselbe ein Jahr später und stellte fest, dass es sich nicht um ein Reparaturdatum handelt, sondern um das Baujahr.
Das Baujahr steht also fest: 1682. Die schwierigere Frage war der Erbauer.
Die Dokumentenkette
Die Auflösung verteilt sich über vier Jahrzehnte Archivarbeit.
1935 — die mündliche Überlieferung. Der Lehrer Husein Đogo zeichnete in Konjic eine Erzählung von Ahmet-aga Hadžizukić auf. Demnach sei der Erbauer ein hoher Offizier am osmanischen Hof in Istanbul gewesen, ein gewisser Haseći Ali-aga. Đogo veröffentlichte die Überlieferung in einer lokalen Zeitschrift. Nametak, der sie 1939 las, zweifelte an ihrer Verlässlichkeit.
1961 — der zweite Zeuge. Der Belgrader Historiker Vojislav Bogićević veröffentlichte die Familienmemoiren des Mehmedi Faik Alagić, eines osmanischen Verwaltungsbeamten aus Konjic. Alagić überlieferte eine Erzählung seines Vaters: Der Erbauer der Brücke sei Haseći Ali-aga gewesen, stammend aus Blagaj, dem Dorf an der Quelle der Buna. Zwei unabhängige mündliche Überlieferungen aus Konjic, im Abstand von sechzig Jahren, nannten denselben Mann.
1976 — der Berat. Der bosnische Historiker Alija Bejtić fand in einem osmanischen Register in Istanbul das entscheidende Dokument: einen Berat — ein kaiserliches Ernennungsdekret — von Sultan Abdul-Hamid I., ausgestellt am 4. Šaban 1189 n. H. (10. Oktober 1775). Das Dokument ernannte einen neuen Verwalter einer Stiftung in Konjic. Es lautet in Übersetzung: „Haseći Ali-aga errichtete [bena eyeldi] die Brücke in der Stadt Konjic, und für ihre Unterhaltung stiftete er ein Kaffeehaus und zwei Läden. Die Verwalterstelle ist vakant und muss neu besetzt werden. Auf Empfehlung des stellvertretenden Richters Alija wird Ibrahim-halifa ernannt."
Das Originaldokument liegt im Archiv der Generaldirektion der Stiftungen in Istanbul (Ruznamče-Defter Nr. 1171, S. 214). Eine Fotokopie befindet sich am Orientalischen Institut Sarajevo (Nr. 36-315). Bejtićs Aufsatz erschien 1976 in der Zeitschrift Pregled (Jahrgang XLVII, Heft 7-8, S. 847-852) unter dem Titel „Ko je podigao konjičku ćupriju" („Wer baute die Konjic-Brücke"). Acht Seiten, ein Dokument — vier Jahrzehnte wissenschaftlicher Unsicherheit waren damit beendet.
1978 — der Firman. Zwei Jahre nach Bejtićs Veröffentlichung entdeckte Hivzija Hasandedić im Franziskanerarchiv in Mostar einen weiteren Beleg: einen Firman Sultan Mehmeds IV. aus dem Jahr 1096 n. H. (1684/85). Die Bewohner des Dorfes Glavatičevo oberhalb von Konjic hatten den Sultan gebeten, ihre Holzbrücke über die Neretva zu reparieren oder zu ersetzen. Der Sultan lehnte ab. Seine Begründung: „Da sich nun in der Stadt Belgraddžik eine neu errichtete Brücke befindet, die Haseći Ali-aga erbaut hat, ist eine zweite Brücke nicht erforderlich."
„Belgraddžik" — „Klein-Belgrad" — war der osmanische Name für Konjic. Sultan Mehmed IV. bezeichnete die Brücke 1684 als neu errichtet, nur zwei bis drei Jahre nach der Inschrift am Bauwerk selbst. Die Datierung stimmt präzise. Zwei Urkunden, neunzig Jahre auseinander und in verschiedenen Archiven verwahrt, bestätigen dieselbe Person.
Wer Haseći Ali-aga wirklich war
„Haseći" ist kein Familienname, sondern ein militärischer Rang. Ein hasečija kommandierte eine orta — eine Abteilung — des Janitscharenkorps am kaiserlichen Hof. Vier hasečije dienten als persönliche Leibwächter des Sultans, zwei zu seiner Rechten und zwei zu seiner Linken. Es handelte sich um eine Position außergewöhnlichen Vertrauens.
Sein Familienname war Kolaković. Er stammte aus Blagaj, dem Dorf an der Quelle der Buna südlich von Mostar. Sein Sohn Mehmed wurde später Kadi (Richter) des Kadiamts Blagaj. Die lokale Überlieferung verortet sein Grab in der Nähe der Buna. Haseći Ali-aga lebte nie in Konjic — er diente in Istanbul und stiftete eine Brücke fünfhundert Kilometer vom Hof entfernt, aus dem er seine Position bezog.
Aus diesem Grund nennen türkische Quellen ihn „Blagaylı Hacı Ali Ağa Kolakoviç" und bosnische „Ali-aga Hasečić". Beide Bezeichnungen gelten derselben Person — die türkischen Autoren verwenden Herkunftsort und Familiennamen, die bosnischen Rang und Vornamen. Die vermeintlichen zwei Stifterkandidaten, die in der älteren Literatur diskutiert wurden, existieren nicht getrennt.
Der vergessene Vorgänger — eine Holzbrücke für siebzig Jahre
Die Steinbrücke von 1682 war nicht die erste Brücke über die Neretva in Konjic. Sie war nicht einmal die zweite.
Als die Osmanen Konjic 1465 einnahmen, fanden sie eine bereits bestehende Holzbrücke vor, etwa dreißig Meter flussabwärts der heutigen Steinbrücke. Im Mai 1612 stiftete ein Mostarer Notabler, Hacı Bali bin Mehmed, eine neue Holzbrücke am selben Platz. Die Stiftungsurkunde (vakufnama) ist in der Gazi-Husrev-beg-Bibliothek (Nr. 168) erhalten und gibt detailliert Auskunft: Hacı Bali finanzierte nicht nur die Brücke in Konjic, sondern auch eine zweite Brücke flussaufwärts in Glavatičevo, eine Karawanserei im Bezirk Burka sowie eine Moschee und eine Koranschule in Mostar. Finanziert wurde das gesamte System durch neun Ladenmieten in Konjic und eine Bareinlage von 300.000 Akçe. Die Brückenpflege in Konjic unterhielt damit eine Moschee in Mostar.
Der osmanische Reiseschriftsteller Evliya Çelebi durchquerte Konjic 1664. In seinem Seyahatname notiert er zur Neretva-Überquerung: „Das Wasser wird über eine große Holzbrücke gequert." Dies bestätigt, dass die Brücke noch 1664 aus Holz bestand.
Fünf Jahre nach Çelebis Durchreise stürzte die Brücke zusammen. An der Innenwand der Djevojačka Džamija — der „Mädchenmoschee" in der Konjicer Altstadt, die bis 1946 erhalten blieb — war eine handschriftliche Inschrift überliefert: „Im Jahr 1071, zu Beginn des Monats Rebiülevvel, wurde die Brücke in Konjic niedergerissen — es soll nicht vergessen werden." Das entspricht März 1659. Wahrscheinliche Ursache: ein Neretva-Hochwasser. Eine Ersatz-Holzbrücke wurde unmittelbar am selben Platz errichtet.
Diese zweite Holzbrücke wurde 1682 durch die Steinbrücke Haseći Ali-agas ersetzt — allerdings nicht am selben Ort. Die Steinbrücke entstand etwa dreißig Meter flussaufwärts an einer leicht anderen Stelle. Die Holzbrücke blieb möglicherweise noch einige Zeit als Fußgängerübergang in Nutzung; Überreste ihrer Holzkonstruktion waren bis in die 1930er Jahre im Flussbett sichtbar.
Die Zwillingsbrücke, von der kaum jemand weiß
Die Steinbrücke von Konjic ist kein Einzelfall. Sie hat ein architektonisches Ebenbild in Serbien: die Kasapčića most in Užice, erbaut 1627/1628 von einem lokalen Notablen namens Mehmed-beg Kasapčić — vierundfünfzig Jahre vor der Konjicer Brücke.
Evliya Çelebi beschrieb sie ausführlich in seinem Seyahatname und reproduzierte die Bauinschrift wortwörtlich. Die Konstruktion ist identisch: sechs leicht gespitzte Bögen mit wachsenden Spannweiten zur Mitte hin, Tenelija-Kalkstein, dreieckige Wellenbrecher an den Pfeilern. Der Konjicer Historiker Jusuf Mulić argumentiert überzeugend, dass derselbe Architekt oder dieselbe Bauhütte beide Brücken entwarf.
Falls diese Zuschreibung zutrifft — und der visuelle Vergleich lässt kaum andere Schlüsse zu — ist die Stara Ćuprija Teil eines Brückentyps der späten osmanischen Klassik, der in mehreren Ausführungen erhalten blieb. Istanbul finanzierte, regionale Bauhütten führten aus, wo strategische Flussquerung und vermögender Stifter zusammenkamen.
Mulić erwähnt in seinem Aufsatz eine dritte mögliche Schwesterbrücke: Eine Mitarbeiterin des Orientalischen Instituts in Sarajevo berichtete ihm, ihr Vater habe vor dem Zweiten Weltkrieg in Albanien eine Postkarte mit einer baugleichen Brücke erworben. Die Karte ist verschollen. Die albanische Lokalisierung bleibt offen — ein unaufgeklärtes Detail in der bosnischen Fachliteratur.
3. März 1945 — die Zerstörung
Am Nachmittag des 3. März 1945 hatte die Brücke ihre letzten zivilen Überquerungen. Der Kaufmann Ibrahim efendija Hadžizukić, dessen Geschäft direkt gegenüber der Brücke am linken Ufer lag, überquerte sie gegen 17 Uhr auf dem Heimweg zu seinem Haus im Stadtteil Okuka. Salih-Salko Fejzagić, Kassierer im örtlichen Lokschuppen, war wenige Minuten vorher hinübergegangen. Sie gehörten zu den letzten Konjicanern, die den originalen Steinbelag betraten.
Zwischen 17:00 und 19:00 Uhr hörte Hadžizukić nach eigener Schilderung eine „starke Detonation". Er verstand sofort, was geschehen war.
Der Zerstörungsbefehl kam von der XXIX. Herzegowinischen Sturmdivision unter Generalmajor Vlado Šegrt. Die deutschen Truppen hatten die Brücke bereits vermint, um den Vorstoß der jugoslawischen Armee Richtung Sarajevo zu verzögern. Zwischen dem zweiten und dritten Pfeiler war ein Deckensegment bereits weggesprengt worden, Fußgängerverkehr war aber noch möglich. Die Pioniere der XXIX. Division beendeten die Zerstörung.
Mulić, der als Kind in Konjic das Ereignis im Keller eines Nachbarhauses erlebte, hält in seinem Aufsatz einen Vorbehalt fest: Es hätte technische Alternativen gegeben — etwa eine Verstärkung des beschädigten Decks mit Stahl- oder Holzstreben oder eine Pontonbrücke über die erhaltenen Pfeiler. Keine wurde ausgeführt. „Offenbar", schreibt er, „sollte alles Türkische zerstört werden."
Fünf Pfeiler überstanden die Sprengung. Auf ihnen entstand eine Behelfsdecke aus Eisen und Holz, die den Verkehr vierundsechzig Jahre lang trug. Ein 1940 geborenes Kind sah die originalgetreue Stara Ćuprija erst 2009 wieder — als die heutige Brücke, zwischen 2005 und 2009 von der türkischen Baufirma ER-BU mit Finanzierung der TİKA Stein für Stein rekonstruiert, am Abend des 17. Juni wiedereröffnet wurde.
Wenn Sie Konjic besuchen
Die empfohlene Überquerung erfolgt vom linken Ufer aus (Altstadtseite). An der Mittelöffnung befindet sich die Sene 1093-Inschrift — klein und leicht zu übersehen. Flussabwärts, etwa dreißig Meter weiter, lag die Holzbrücke Hacı Balis von 1612 und alle ihre Vorgänger. Die stromauf gerichtete Seite des mittleren Pfeilers trägt einen zweistufig vorkragenden Vorsprung, den Mulić als astak bezeichnet — ein Erkennungsmerkmal dieses Brückentyps, das bei der Mostar-Brücke Stari Most fehlt. Die Pfeiler selbst sind original; ein Großteil des sichtbaren Aufbaus stammt aus der Rekonstruktion 2005–2009.
Nach der Überquerung empfiehlt sich ein Besuch eines der kleinen Cafés direkt am Ufer, deren Tische an die Steinmauer über dem Wasser grenzen. Ein türkischer Kaffee wird traditionell in einem cezve mit Zuckerwürfel und einem Glas Wasser serviert. Von dort haben Sie direkten Blick auf die Pfeiler der Steinbrücke, die etwa zwanzig Meter entfernt aus dem smaragdgrünen Wasser ragen. Das Sitzen am Fluss mit Kaffee ist eine in Konjic seit Generationen geübte Form der Brückenbetrachtung.
Konjic ist als Reiseziel auf zwei bis drei Tage ausgelegt. Die Brücke ist eine von mehreren zentralen Sehenswürdigkeiten. Etwa dreißig Autominuten entfernt liegt der ehemalige Atombunker Titos (ARK D-0), und flussabwärts beginnen die Neretva-Rafting-Strecken. Für eine vollständige Routenplanung stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
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Verwendete Quellen:
Dr. Jusuf Mulić, „Mostovi na Neretvi u Konjicu" (Medžlis IZ Konjic, 2021; ursprünglich Kapitel in Konjic i njegova okolina u vrijeme osmanske vladavine, 1463–1878, 2001). Umfassendste fachwissenschaftliche Darstellung.
Alija Bejtić, „Ko je podigao konjičku ćupriju," Pregled XLVII (1976), 7–8, S. 847–852.
Hivzija Hasandedić, „Nekoliko novih podataka o kamenom mostu u Konjicu," Most V (1978), 19–20, S. 117–121.
Hacı Bali bin Mehmed vakufnama, 2.–11. Mai 1612, Gazi-Husrev-beg-Bibliothek Sarajevo, Slg. Nr. 168.
Berat Sultan Abdul-Hamids I., 10. Oktober 1775, Archiv der Generaldirektion der Stiftungen, Istanbul, Ruznamče defter Nr. 1171, S. 214.
Firman Sultan Mehmeds IV., 1684/85, Acta turcarum IV/294, Arhiv Hercegovačke franjevačke provincije, Mostar.
Evliya Çelebi, Seyahatname (1664), S. 470 der Sarajevoer Ausgabe von 1959.

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